Donnerstag, 27. Januar 2011

Beatclub Bandcorner no.58 - French Films (fin)

Was macht der eingefleischte Musikliebhaber, wenn er hört, dass es eine neue Band gibt? Einer der ersten Schritte ist wohl die Erforschung der Herkunft. Haben wir doch in den letzten Jahren gelernt, dass gute Bands vor allem aus England, Schweden oder den USA kommen. Betreibt man diese Nachforschungen bei der Neuentdeckung French Films, glaubt man demnach wahrscheinlich, dass da irgendwo ein Fehler passiert sein muss. Finnland? Man staunt nicht schlecht, vor allem wenn man sich anhört, wer sich hinter diesem ominösen neuen Hype verbirgt. Schon die ersten Takte lassen die Verunsicherung ins Unendliche wachsen. 
Eine The Drums-Tribute Band? Ein geheimes Nebenprojekt von Vampire Weekend? Alles Quatsch. Wir hätten da fünf junge Finnen, die sich dem 70s-Beach Pop verschrieben haben. Und zwar voll und ganz. Mit einer recht klassischen Besetzung bestehend aus zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug lassen sie uns den doofen Schnee vor der Haustür für eine EP-Länge lang vergessen und entführen uns an die Strände Kaliforniens. Und wir setzen noch einen drauf. Am 19. Mai kann man sich auch live im Rhiz von dem nordischen Quintett überzeugen. Wir wünschen viel Vergnügen!

Song you should listen to: Golden Sea
Editor: Resi Rakete

Samstag, 8. Januar 2011

Beatclub Bandcorner no.57 - Bloodgroup (isl)

Wir schreiben das Jahr 2006. Es war dunkel und es war in Island, als sich vier junge Menschen entschlossen, sich der Musik zu verschreiben. Die Rede ist vom angesagten Islandexport Bloodgroup. Ihr mittlerweile zweites Album Dryland konnte locker an das erste anschließen und wurde mit guten Rezensionen nur so überhäuft. Eingängiger Elektropop mit tanzbaren Beats und einer sympathischen Frauenstimme on top; nicht unbedingt etwas Neues, dafür etwas Bewährtes. Mit einer Mischung aus We Have Band, IAMX und Jamaica decken sie eine große Elektro-Bandbreite ab und haben sich die Großen der Szene zum Vorbild genommen. Ein Konzept, dass von Erfolg gekrönt sein soll, gelten sie doch als „one of the best live acts in Icelandic music.“ Und da wir, vom Teenbeatclub, solche Argumente nicht unbewiesen im Raum stehen lassen wollen, haben wir die vier Isländer am 7. Februar ins schöne B72 eingeladen, wo sich dann jeder selbst vom neuen Elektrohype überzeugen kann. Wir freuen uns.

Song you should listen to: First To Go 
Editor: Resi Rakete

Beatclub Bandcorner no.56 - Johnny Flynn (uk)

Die Times nennt ihn „the next poster boy of the new-folk scene“. Das mag vielleicht zu einem gewissen Teil an seinem Aussehen liegen, aber auch musikalisch hat der in Südafrika geborene Brite so einiges zu bieten. Die Rede ist von Johnny Flynn. Einzuordnen ist er mitten drin im Indie-Folk rund um Mumford & Sons, Laura Marling, Noah And The Whale und „Flaws“ von Bombay Bicycle Club. Herbstlich, fröhlich, traurig und mit viel tragischem Pathos wird hier der Folk zelebriert um im nächsten Moment mit verspielten Arrangements und Texten in nostalgischen Südstaaten-Anekdoten zu schwelgen. Johnny ist außerdem noch Schauspieler und Dichter, daran liegt es dann wohl, dass seine Texte stark von Shakespeare und William B. Yeats beeinflusst sind. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle seine vierköpfige Band „The Sussex Wit“ mit der er sowohl aufnimmt als auch tourt. „Johnny Flynn And The Sussex Wit“ sind bei Transgressive Records unter Vertrag. Ihr viel gelobtes Debutalbum „A Larum“ bezeichnete das Rolling Stone, zum Beispiel, als „marvellous“ und „buoyant“. Im Juni 2010 erschien der Nachfolger „Been Listening“, der auch Kollaborationen mit Laura Marling enthält. Die erste Singleauskopplung des Albums wurde am 30. März dieses Jahres auf Zane Lowe’s Radio Show zum „Hottest Record in the World“ gekürt.
Letztendlich ist es einfach wunderschöne Musik, vor allem für diejenigen, die sich gerne in Herbstgefühlen verlieren.

Song you should listen to: Tickle Me Pink
Editor: Hieronymus

Beatclub Bandcorner no.55 - Familjen (swe)

Eingängig, tanzbar, düster. Der kann doch nur bei Kitsuné oder Ed Banger zuhause sein, denkt man sich.
Falsch gedacht. Das möge entweder daran liegen, dass er, Johan T. Karlsson also known as Familjen, nicht Franzose sondern Schwede ist oder, dass er nicht wie heute so verbreitet auf Englisch singt, sondern auf seiner Muttersprache, Schwedisch. Waschechter, um es mit Karlssons Worten zu sagen, „Indie-Techno“ aus Schweden also. 

Seine Geschichte beginnt am Anfang des neuen Jahrtausends in Hässleholm, wo er im örtlichen Musikstudio Bands, verschiedenster Musikrichtung, produziert und 2006 eben auch einmal eine EP mit seiner eigenen Musik. Namens „Familjen EP“. Lediglich ein Jahr später veröffentlicht Adrian Recordings sein, ebenso selbstproduziertes, Debutalbum „Det Snurrar I Min Skalle“. Das Album und vor allem der Titeltrack schlagen in Skandinavien und interessanterweise auch Australien voll ein.
Der Durchbruch in Mitteleuropa bleibt jedoch aus. Nach einem Remixalbum von 2008, auf dem er unter anderen auch Lykke Li, Fever Ray und Anna Ternheim remixt, hat Familjen 2010 nun sein Nachfolgealbum vorzuweisen. "Mänskligheten" ist es betitelt und stellt eine starke Weiterentwicklung und Verfeinerung seines Sounds dar. Waren auf seinem Erstling noch wirklich nur seine Stimme, Drums und ein Synthesizer zu hören, man könnte es als einen abgespeckten Mr.Oizo mit mehr Vocals oder einfach nur als Electropop umschreiben, so ist das neue Album um einiges mehrschichtiger und durchdachter und außerdem aufwendiger produziert. Weiters nimmt Karlsson seine Stimme zurück überlässt zumeist anderen die Vocals und verwendet vermehrt House-Elemente. Um bei dem Vergleich mit Ed Banger Artists zu bleiben bewegt sich Familjen mit "Mänskligheten" nun eher auf Justice Gefielden, wird aber zugleich um einiges selbstständiger.
Wer also auch schwedischen Indie und französischen Electro steht wird in Familjen einen sehr guten Freund finden.

Song you should listen to:
När Planeterna Stannat
Myspace: http://www.myspace.com/familjen
Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=AOKwx1VFr8I
Editor: Hieronymus

Beatclub Bandcorner no.54 - Hjaltalín (isl)

Die Isländer sind ja immer wieder für eine Überraschung gut. Nach Sensationsbands wie Sigur Rós oder múm steht jetzt die nächste Gruppe in den Startlöchern. Hjaltalín aus Reykjavik. Vergleichen sollte man die drei jedoch nicht. Obwohl auch Hjaltalín zum Teil sehr melidiös und melancholisch sein kann, deckt das Septett eine weitaus größere musikalische Palette ab. Allein durch die Verwendung verschiedenster, zum Teil auch klassischer, Instrumente springt die Band vom fröhlichen Folk zur dunklen Popballade. Auch den Gesang kann man durchaus als „mal was neues“ betiteln. Während Sänger Högni stark an Frank Sinatra erinnert, glaubt man bei Sängerin Sigga, sie stehe auf einer Musicalbühne. 
Eine Kombination aus alldem ergibt einen Sound, der manchmal an The Frames, manchmal auch einfach an ein gemischtes Duett aus den 50er Jahren erinnert. Dass das durchaus gut ankommen kann, zeigen nicht zuletzt fünf Nominierungen bei den isländischen Musicawards. Ihr erstes Album „Sleepdrunk Seasons“, produziert übrigens von Benni Hemm Hemm und Gunni Tynes (múm), steht bereits seit 2009 in den Plattenläden. Motor.de findet: „Ein spannendes Album, wenn auch gewöhnungsbedürftig.“ Aber gewöhnliche Bands gibt es ja eh schon viel zu viele. In diesem Sinne: wärmste Empfehlung vom Teenbeatclub.

Song you should listen to: Feels Like Sugar
Myspace:
http://www.myspace.com/hjaltalinband
Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=HIfR_jMM2Hw (Traffic music)
Editor: Resi Rakete

Beatclub Bandcorner no.53 - Avi Buffalo (us)

Avi Buffalo. Ist das eine Stadt? Klingt als wäre es ein legendärer Indianerhäuptling. Weder noch, es ist eine Band und gleichzeitig Künstlername des Frontmans, Avigdor Zahner-Isenberg. Nach dessen verletzungsbedingten Abbruch seiner Skaterkarriere, lernte sich das vierköpfige Indiegespann aus Long Beach, Los Angeles in der High School kennen und ist seit 2009 beim renomierten Independentlabel Sub Pop unter Vertrag. Auf dem auch im April des darauffolgenden Jahres das ‚self-titled‘ Debutalbum erschien. Die neuen Nirvana? Nein. Grunge? Auch nicht.
 
Stilistisch sind sie, wie könnte es anders sein, dem heute allzugebräulichen und auch nicht mehr so genau definierbaren Begriff Indie unterworfen. Das ist aber nicht alles. Folkanleihen, Psychedeliceinflüsse, zartsanfte Melodien, die irgendwo entfernt an Kinderlieder erinnern, gehauchte Stimmen und stark ausgeprägte Hippievibrations machen Avi Buffalo zu einem durchaus genuinen Hörerlebnis. Um das Namedropping nicht zu vernachlässigen, werden sich besonders Fans von MGMT, Grizzly Bear oder den Flaming Lips in diesen Soundgefielden zu Hause fühlen.
Indiepop mit 68er-Nostalgiewert, der zum Träumen verleitet. Diese Band ist auf jeden Fall ein Reinhören wert.

Song you should listen to: What’s In It For?
Myspace:
http://www.myspace.com/avibuffalo
Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=ZNaSEQERGz0
Editor: Hieronymus

Beatclub Bandcorner no.52 - Yelle (fr)

„You enjoy life.“ Der Leitspruch von Julie Budet sollte ursprünglich, in Form des Akronyms „YEL“, auch zum Bandnamen werden. Nachdem aber schon eine Band mit diesem Namen existierte, wurde dieser kurzerhand feminisiert und es entstand: YELLE, das sind Julie Budet, GrandManier und seit 2006 auch Tepr. Trotz der Namensprobleme schlug ihr Song „Short Dick Cuizi“ (später: „Je voix te voir“), den sie bei Myspace hochluden, voll ein. Ein Bilderbuch-Myspace-Hype folgte. Tausende Plays, Plattenvertrag und nur ein Jahr später stand auch schon das Debutalbum „ Pop Up“ in den Regalen. „Je voix te voir“ erreichte sogar Platz vier der französischen Single-Charts. Bis dahin nur in Frankreich bekannt, begleiteten sie 2007 Mika auf seiner Europatour und machten sich so auch außerhalb ihres Heimatlandes einen Namen.
 
YELLE präsentiert sich beatlastig, mit treibenden 80s-Synthies und den gewitzt, frechen Lyrics Budets. Unter anderem sind auch einige Hip-Hop Anleihen zu erkennen und irgendwie klingt alles zusammen unverkennbar französisch. Für die Musik und Produktion sind dabei  GrandManier, der live hinter den Drums sitzt, und Synthmaster Tepr zuständig. Julie Budet steuert mit ihren Lyrics und Vocals letztendlich das gewisse Etwas bei. Dies tat sie, beiläufig erwähnt, auch bei der Fatal Bazooka Single „Parle a ma main“, die daraufhin mehrere Wochen Platz eins der französischen Charts besetzte. Ihre Stimme ist auch auf der neuen Crookers-Single „Cooler Couleur“ zu hören. Neugierig? Dem sei Abhilfe geschaffen. Am 27. November ist YELLE live im B72 zu bewundern.

Song you should listen to: Ce jeu
Myspace:
http://www.myspace.com/iloveyelle
Youtube: www.youtube.com/watch?v=FsrN3qxX2Yw  (JE VEUX TE VOIR)
Editor: Hieronymus