Dienstag, 5. April 2011

Beatclub Bandcorner no.63 - Sun Airway (us)


The Strokes scheinen 2011 ihr großes Comeback zu haben. Neben der eigenen Platte gibt es da auch noch diverse Künstler, die sich mehr (The Vaccines!) oder weniger an den guten alten Indie-Rock der Nullerjahre annähern. Verrückterweise zählt zu denen auch ein musikalisches Duo aus Philadelphia, die eigentlich vorhatten, die Welt mit smoothen Synthie-Shoegaze zu verzaubern. Sun Airway, die zu Jahresbeginn ihr Debüt mit dem prachtvollen Namen Nocturne of Exploded Crystal Chandelier auf den Musikmarkt schmetterten, erinnern schon beim ersten Hören deutlich an Julian Casablancas & Co. Relativ simpel gestrickte Lieder, die schnell ins Ohr gehen und dort im besten Fall auch ein Stück verweilen, gepaart mit der rauen wehleidigen Stimme von Jon Barthmus und dazu noch weiche Synthiebetten à la Caribou.
Da muss man natürlich erst einmal drauf kommen. Deshalb haben die Herren wahrscheinlich auch knapp zwei Jahre gebraucht, um diese musikalische Delikatesse in Form zu bringen. Dass genau zu dieser Zeit ein Album auf den Markt kommt, dass die oben genannten Ideen ähnlich bis genauso umsetzt, ist zwar ärgerlich, sollte aber den Schaffensdrang von Sun Airway nicht aufhalten. Bösen Zungen also, die behaupten, dass  die Platte ein billiger Animal Collective-Abklatsch sei, ist demnach also wenig bis kein Glauben zu schenken. Schließlich erkennt man bei genauerem Hinhören durchaus einen selbstständigen Charme. Und der sollte doch, entgegen aller Lästerei, im Vordergrund stehen.

Song you should listen to: Oh, Naoko 
Editor: resi rakete

Mittwoch, 23. März 2011

Beatclub Bandcorner no.62 - Black Shampoo (a)

Drei Wiener mischen mit einem rohen Konglomerat aus Garage, Punk und Blues die Indie-Szene der österreichischen Hauptstadt auf. Jakob Brem (Gitarre/Vocals), Saskia Kasper (Bass) und Lukas Friesenbichler (Drums) sind Black Shampoo, 2008 gegründet und von GoTV zu einem der Top Newcomer für 2011 gewählt. Ihre erste EP, „Curious Kid“ veröffentlichten sie im November 2010. Der Sound ist roh, wild und chaotisch. Die Instrumentierung könnte man als ‚straight edge’ beschreiben. Die Songs sind einfach gestrickt, mitreißend und sind schon nach dem ersten Hörgang nicht mehr so leicht aus dem Kopf zu bekommen. Brem’s Stimme erinnert stark an einen jungen Iggy Pop, Einflüsse bestimmter Bands sind jedoch eher schwer festzumachen. In dem ständig changierenden Soundgewitter hört man hier und da mal einen Hendrix, mal die Rolling Stones, mal Proto-Punk a lá Stooges, dann aber auch wieder Aktuelleres wie den Indie-Rock der frühen Nullerjahre rund um die Libertines. 
Alles in allem kann man nicht viel über Black Shampoo sagen, außer dass sie verdammt gut sind und sich auf jeden Fall ein Reinhören und einen festen Platz in der österreichischen, wenn nicht sogar internationalen, Musikszene verdient haben.

Song you should listen to: Sick Shit
YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=slBMyetBEqc
MySpace: http://www.myspace.com/blackshampooband
Editor: Hieronymus

Dienstag, 15. März 2011

Beatclub Bandcorner no.61 - Allo Darlin' (uk)

Musik ist eine Wissenschaft, die uns Tag für Tag neue Rätsel aufgibt. Welchem Genre ist diese Band zuzuordnen? Verhält sich dieser Song dominant im Hinblick auf den Rest des Albums? Über welche Vorgänge ist der Sänger der geworden, der er jetzt ist und nicht mehr der, der er auf dem letzten Album war? Fragen, die leidenschaftliche Blogger auf der ganzen Welt beschäftigen. Auch uns. Wir gehen ein wenig spezifischer an die Sache heran und wagen uns an ein Experiment: Was passiert, wenn man Belle And Sebastian mit Kate Nash kreuzt? Ruhige, oft schon melancholische Lieder gemischt mit einer guten Ladung guter Laune. Ein Hang zum abgehackten Sprechgesang gepaart mit mehrstimmigen Harmonien. Das Gemisch nimmt langsam Form an und wir bekommen heraus: Allo Darlin‘. 
Zugegebenermaßen war die Einleitung ein wenig dramatisch, das Ergebnis dafür mehr als hörenswert. Das Quartett aus Australien und Großbritannien überzeugt mit einer relativ klassischen Besetzung aus Gitarre, Bass und Drums. Ein exotischer Blickfang ist die Ukulele, die von Sängerin Elisabeth Morris bedient wird. Ihre erste Single „Henry Rollins Don't Dance“ erhielt das Prädikat „bester Indiepop-Song der letzten Jahre“ vom englischen Guardian und auch das erste Album (self-titled) überzeugt. Am 4. März waren Allo Darlin‘ zusammen mit Those Dancing Days im Wiener Flex, wo dann auch der letzte Popzweifler davon überzeugt wurde, dass Plastikmusik und Pop nicht mehr als den Anfangsbuchstaben gemeinsam haben müssen.

Song you should listen to: My Heart Is A Drummer
Editor: resi rakete

Montag, 21. Februar 2011

Beatclub Bandcorner no.60 - The Soft Moon (us)

Düster, hypnotisierend und karg. The Soft Moon ertrinkt in den finsteren Tiefen des Dark Wave, Post-Punk und Shoegaze der 80er Jahre. Hand in Hand mit Bands wie Joy Division, New Order oder Bauhaus entführt uns Soundtüftler Luis Vasquez aus San Francisco in einen suggestiv minimalistischen und klaustrophobischen Klangraum der weder Anfang noch Ende zu haben scheint. Das Debutalbum ‚Soft Moon’, das im November 2010 via Captured Tracks (auch Wild Nothing, Beach Fossils) das Licht der Welt erblickte, verfrachtet den Hörer in eine Welt, die mit der eines David Lynch Films zu vergleichen wäre. Fast rein Instrumental wogen die flirrenden Synthesizer, die sphärisch dahinschwebenden Gitarren und die kargen Vocals über den repetitiven Beats und einem Bass, der das Blut in den Adern gefrieren lässt. Es entsteht dabei ein schwer fassbarer Raum, düster, in dem alles ohne jeglichen Halt dahinbaumelt aber irgendwie trotzdem ein kompaktes Ganzes bildet. Ein Weltraum voller Echo, Fuzz und bedeutungsschwangerer Soundpartikel. Auch das Artwork, das stark an die Formensprache Piet Mondrians erinnert, und die Musikvideos fügen sich nahtlos in die Ästhetik der Musik ein. 
The Soft Moon ist definitiv einer der Indie/Shoegaze-Höhepunkte des nächsten Jahres. Dem stimmte auch der Musikexpress zu und setzte The Soft Moon auf die Hotlist für 2011.

Song you should listen to: Dead Love
Editor: Hieronymus

Sonntag, 13. Februar 2011

Beatclub Bandcorner no.59 - Effi (a)

Thomas Petritsch, also known as, Effi veröffentlichte am 21.01.2011 sein lang ersehntes erstes  Album. Nach seiner EP und drei Vorab-Singles (Happy, Bye Baby, Sinner Man), die Effis unanfechtbares Talent der Öffentlichkeit präsentierten und auf Fm4 bereits auf und ab gespielt wurden, waren die Erwartungen an das Debutalbum natürlich groß. Der junge grazer Songwriter, Multiinstrumentalist und Laptopproducer, der obendrein auch noch Literatur studiert, gilt als große Hoffnung in der österreichischen Musiklandschaft. Er ist bei der wiener Arcadia Agency unter Vertrag und spielte bereits als Support von etablierten Acts wie Großstadtgeflüster und Paolo Nutini, außerdem sind fünf seiner Songs auf dem Soundtrack des Films ‚Die unglaubliche Entführung der Frau Elfriede Ott’ vertreten. Nach diesem ganzen Hype wollten wir beim Teenbeatclub uns natürlich selbst davon überzeugen ob das Album auch wirklich alle Erwartungen erfüllen kann.
Das erste was einem auffällt wenn man das Album dann in Händen hält ist die sympathische DIY Aura des Artworks und die Kürze der Songtitel. Kurz ist mit guten 40 Minuten auch die Spielzeit des Albums, was bei ansehnlichen 13 Songs doch eher untypisch ist. Liegt hier in der Kürze die Würze? Anfangs schon. Die Songs sind Kompakt, mit durchdachten Arrangements, interessanter Instrumentierung und absolut ohrwurmtauglichen Melodien und Lyrics. Insgesamt sind auf dem Album drei grobe Songtypen zu erkennen. Es gibt die folkigen Indiepop-Gitarrensongs (Love Files, Happy, Mars, Eleven, Summer Sun, Danndanke) auf denen auch immer wieder mal eine Ukulele oder eine Trompete zu hören ist. Sie sind offbeatlastig und erinnern an den klassischen 2006er Indie á la Kooks und Kate Nash, gegen Ende hin verlieren sie aber ein bisschen an Abwechslung und man wünscht sich dann doch mal was anderes. 
Die Abwechslung kommt in Form von zwei Reggae/Indie-Hybriden (Sinner Man, Norway), die zwar Sommersehnsucht aufkommen lassen, aber auch ein wenig an der Integrität des Albums kratzen. Sein großes Talent entfaltet Effi jedoch am offensichtlichsten beim Typus seiner Electropop Mischformen (Distance, Friends, Bye Baby, Breathing, Dance), die am ehesten mit Metronomy zu vergleichen wären. Sie legen einen Abwechslungsreichtum zu Tage, von dem die meisten kontemporären Songwriter nur Träumen können. Zwischen treibendem Beat und zerbrechlichen Gitarrenriffs, starken Basslines und gefühlvollen Vocals, schweben die Songs mit einer ungeahnten Leichtigkeit dahin, bäumen sich auf, fallen in sich zusammen nur um sich gleich wieder in eine unendliche Soundlandschaft zu ergießen. Von diesen Songs ist vor allem ‚Bye Baby’ zu nennen, das unangefochten den Höhepunkt des Albums darstellt und vor Hitpotenzial geradezu explodiert. 
Den absoluten Tiefpunkt des Albums bildet wohl das misslungene ‚Dance’, das sich nach einer viel versprechenden Strophe unverhofft in einem selten billigen Refrain verläuft, der mit seinem stupiden Beat und der ausgelutschten Textzeile ‚I wanna dance with somebody uh uh’ äußerst gut ins Aprés Ski oder auf den Ballermann passen würde und zum ausgelassenen Schunkeln anregt. Trotz dieses Ausrutschers ist das Album ein durchaus homogenes Werk. Effi singt von Liebe und Frauen und schafft es trotzdem immer seine Gute-Laune-Mentalität aufrecht zu erhalten, die einen auf ein schnelles Ende der kalten Jahreszeit hoffen lässt. 
Man hat sich zwar vielleicht ein bisschen mehr Experimentierfreudigkeit erwarten dürfen, alles in allem ist ‚Astronaut’ aber ein solides Debut auf dem definitiv der eine oder andere Songjuwel zu finden ist.

Song you should listen to: Bye Baby
Editor: Hieronymus

Donnerstag, 27. Januar 2011

Beatclub Bandcorner no.58 - French Films (fin)

Was macht der eingefleischte Musikliebhaber, wenn er hört, dass es eine neue Band gibt? Einer der ersten Schritte ist wohl die Erforschung der Herkunft. Haben wir doch in den letzten Jahren gelernt, dass gute Bands vor allem aus England, Schweden oder den USA kommen. Betreibt man diese Nachforschungen bei der Neuentdeckung French Films, glaubt man demnach wahrscheinlich, dass da irgendwo ein Fehler passiert sein muss. Finnland? Man staunt nicht schlecht, vor allem wenn man sich anhört, wer sich hinter diesem ominösen neuen Hype verbirgt. Schon die ersten Takte lassen die Verunsicherung ins Unendliche wachsen. 
Eine The Drums-Tribute Band? Ein geheimes Nebenprojekt von Vampire Weekend? Alles Quatsch. Wir hätten da fünf junge Finnen, die sich dem 70s-Beach Pop verschrieben haben. Und zwar voll und ganz. Mit einer recht klassischen Besetzung bestehend aus zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug lassen sie uns den doofen Schnee vor der Haustür für eine EP-Länge lang vergessen und entführen uns an die Strände Kaliforniens. Und wir setzen noch einen drauf. Am 19. Mai kann man sich auch live im Rhiz von dem nordischen Quintett überzeugen. Wir wünschen viel Vergnügen!

Song you should listen to: Golden Sea
Editor: Resi Rakete

Samstag, 8. Januar 2011

Beatclub Bandcorner no.57 - Bloodgroup (isl)

Wir schreiben das Jahr 2006. Es war dunkel und es war in Island, als sich vier junge Menschen entschlossen, sich der Musik zu verschreiben. Die Rede ist vom angesagten Islandexport Bloodgroup. Ihr mittlerweile zweites Album Dryland konnte locker an das erste anschließen und wurde mit guten Rezensionen nur so überhäuft. Eingängiger Elektropop mit tanzbaren Beats und einer sympathischen Frauenstimme on top; nicht unbedingt etwas Neues, dafür etwas Bewährtes. Mit einer Mischung aus We Have Band, IAMX und Jamaica decken sie eine große Elektro-Bandbreite ab und haben sich die Großen der Szene zum Vorbild genommen. Ein Konzept, dass von Erfolg gekrönt sein soll, gelten sie doch als „one of the best live acts in Icelandic music.“ Und da wir, vom Teenbeatclub, solche Argumente nicht unbewiesen im Raum stehen lassen wollen, haben wir die vier Isländer am 7. Februar ins schöne B72 eingeladen, wo sich dann jeder selbst vom neuen Elektrohype überzeugen kann. Wir freuen uns.

Song you should listen to: First To Go 
Editor: Resi Rakete