Montag, 29. August 2011

Beatclub Bandcorner no.67 - 2:54 (uk)

Geheimnisvolle Straßen, düster und nass, unter einem dunklen, mit Wolken verhangenen Himmel. Szenen und Eindrücke wie diese sind es, die uns die zwei Thurlow Schwestern aus London mit ihrer Musik vor die Augen zaubern. Sie sind unter dem Namen 2:54 bekannt und gerade dabei die britische Musikszene aufzumischen. Nach ihren Garageband Demos „Creeping“ und „Sugar“ von 2010 ist im März dieses Jahres ihre erste 7’’ „On A Wire / Cold Front“ via House Anxiety erschienen. Ganz wie ihre guten Freunde von The XX und Warpaint geben sie sich melancholisch und kühl. Stilistisch gehen sie jedoch einen ganz eigenen Weg. Beeinflusst vom straighten Stoner der Queens Of The Stone Age strotzen ihre Songs geradezu vor Desert Rock. Unter ihrem musikalischen Leitspruch „all noise“ wälzt der karge, unaufhaltsame Sound zwischen Grunge, Post Punk und Shoegaze alles nieder was ihm in den Weg kommt. 
Diese bedrohlichen Lo-Fi Klänge reißen schon während dem ersten Hören derart mit, dass sich schnell der leise Wunsch im Gehirn festsetzt, der Song möge doch bis in die Unendlichkeit weiter und weiter laufen.
 
Song you should listen to: On A Wire
Editor: Hieronymus

Donnerstag, 11. August 2011

Beatclub Bandcorner no.66 - Fruit Bats (us)

Bereits 1999 gegründet, gehören die Fruit Bats ja quasi schon zu den alten Hasen im Musikgeschäft. Diese Aussage geschieht jedoch unbeachtet der Tatsache, dass die Band seitdem in ständig wechselnder Besetzung musizierte. Einziges konstantes Mitglied ist Eric Johnson. Wer glaubt, diesen Namen schon einmal gehört zu haben, sollte sich nicht voreilig für verrückt erklären. Seit 2007 nämlich ist besagter Herr Mitglied von The Shins. Und mit denen teilen sich die Fruit Bats nicht nur das Label Sub Pop, sondern verzaubern auch ganz in deren Stil mit nachdenklichen Riffs und einer ganzen Menge Folk mit Südstaatenanleihe. Wobei hier und da auch mal eine mutige Schrammelgitarre zu hören ist. Fans von Blitzen Trapper und The Dodos kommen also mit Sicherheit auf ihre Kosten.

Seit dem 29. Juli ist das mittlerweile fünfte Studioalbum Tripper der Band in den Plattenläden. Da dieses Datum ja mittlerweile der Vergangenheit angehört, haben wir ein neues: Am 7.12. statten die Herren auch Wien einen Besuch ab und spielen im ehrwürdigen B72. Also nicht vergessen: You won't lose the beat if you just keep clapping your hands.

Song you should listen to: The Ruminant Band
Editor: resi rakete

Donnerstag, 16. Juni 2011

Beatclub Bandcorner no.65 - Yuck (uk)

Es heißt, jedes Jahrzehnt hat seine Musik. Von blumig poppig bis düster grungig ging schließlich auch das 20. Jahrhundert endlich vorbei. Mir persönlich war das ja immer etwas zuwider. Schließlich existierten Joy Division gemeinsam mit Modern Talking und man verdränge nicht die Tatsache, dass Nirvana und Right Said Fred 1992 beide in den Top 10 Charts vertreten waren (wobei man guten Gewissens ausblenden darf, wer von beiden höher platziert war). Fakt ist: So einfach, wie Oliver Geissen sich das immer vorstellt, ist es dann halt doch nicht. Und wer behauptet, gitarrenlastige Schrammelmusik wäre Schnee von gestern, dem sei ans Herz gelegt, dass es jedes Jahr einen Winter gibt.

Die Aufmerksamen unter euch werden schon gemerkt haben, um wen es geht (falls nicht, siehe Überschrift). Denn Yuck widersprechen wohl auf den ersten Blick allem, was die 10er Jahre uns bis jetzt als „in“ verkaufen wollten. Sanft gehauchte Frauenstimmen? Nö. Treibende Electrobeats? Fehlanzeige. Stattdessen folgen sie altbewehrter und wiedermal neuentdeckter Indie Rock Manier und überzeugen durch relativ klare Arrangements. Trotz allem hat man den Eindruck, gerade bei der letzten Bandprobe zuzuhören. Wir befinden uns also quasi im Niemandsland zwischen Alternativ und LoFi. Das Quartett, das übrigens zur Hälfte aus (ehemaligen) Mitgliedern von Cajun Dance Party besteht, wird daher gern auch mit Sonic Youth oder Dinosaur Jr verglichen.

Aber da Vergleiche ja generell total überwertet sind, empfehlen wir euch dringenst, die heuer erschienene self-titled-Platte selbst ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn unser aktuelles Jahrzehnt ist noch jung genug, den Weg für die ein oder andere musikalische Überraschung zu ebenen.

Song you should listen to: Georgia
Editor: resi rakete

Montag, 30. Mai 2011

Beatclub Bandcorner no.64 - The Shoes (fr)

Es gibt ein wieder einmal einen genialen neuen Electro-Export aus Frankreich. The Shoes. Das sind zwei junge Franzosen, die sich, wie ihre Remixliste eindrucksvoll bestätigt, schon seit geraumer Zeit der elektronischen Musik hingeben. Unter den Unmengen an Remixes findet man auch durchaus bekannte Namen wie Marina & The Diamonds, Santogold, Late Of The Pier oder Mystery Jets. Sie sind also absolut keine Neulinge in der Szene. Ihre Erfahrung stellen sie auch auf ihrem Erstling unanfechtbar unter Beweis. Das Debutalbum „Crack My Bones“ erschien, nach einpaar Singles und EPs, im März 2011 via Southern Fried Records. Es ist ein wilder Mix aus Beat-lastigen Tracks, mit viel Synthie, prägnanten Vocals und selten eingesetzten aber unglaublich wirksamen Gitarrenriffs. Die ausgeklügelten Songs kombinieren die treibende Kraft der Klaxons mit der Gewitztheit von Metronomy und der atmosphärischen Düsterheit von IAMX. Natürlich wird dabei auch nicht auf die Tanzbarkeit nicht vergessen, ein Gespür dafür scheinen die Franzosen aber ohnehin in die Wiege gelegt bekommen zu haben. The Shoes orientieren sich dabei nicht nur am typischen französischen Electro á la Ed Banger, sondern verwenden auch gerne mal eher House-lastige Beats, mit denen sie es nur zu gut verstehen ihre atmosphärische Seite zu unterstreichen. Ein großer Tipp für die Indie-Dancefloors der nächsten Jahre.

Song you should listen to: Bored
YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=9ae_Co2pOnQ
MySpace: http://www.myspace.com/the.shoesmusic
Editor: Hieronymus

Dienstag, 5. April 2011

Beatclub Bandcorner no.63 - Sun Airway (us)


The Strokes scheinen 2011 ihr großes Comeback zu haben. Neben der eigenen Platte gibt es da auch noch diverse Künstler, die sich mehr (The Vaccines!) oder weniger an den guten alten Indie-Rock der Nullerjahre annähern. Verrückterweise zählt zu denen auch ein musikalisches Duo aus Philadelphia, die eigentlich vorhatten, die Welt mit smoothen Synthie-Shoegaze zu verzaubern. Sun Airway, die zu Jahresbeginn ihr Debüt mit dem prachtvollen Namen Nocturne of Exploded Crystal Chandelier auf den Musikmarkt schmetterten, erinnern schon beim ersten Hören deutlich an Julian Casablancas & Co. Relativ simpel gestrickte Lieder, die schnell ins Ohr gehen und dort im besten Fall auch ein Stück verweilen, gepaart mit der rauen wehleidigen Stimme von Jon Barthmus und dazu noch weiche Synthiebetten à la Caribou.
Da muss man natürlich erst einmal drauf kommen. Deshalb haben die Herren wahrscheinlich auch knapp zwei Jahre gebraucht, um diese musikalische Delikatesse in Form zu bringen. Dass genau zu dieser Zeit ein Album auf den Markt kommt, dass die oben genannten Ideen ähnlich bis genauso umsetzt, ist zwar ärgerlich, sollte aber den Schaffensdrang von Sun Airway nicht aufhalten. Bösen Zungen also, die behaupten, dass  die Platte ein billiger Animal Collective-Abklatsch sei, ist demnach also wenig bis kein Glauben zu schenken. Schließlich erkennt man bei genauerem Hinhören durchaus einen selbstständigen Charme. Und der sollte doch, entgegen aller Lästerei, im Vordergrund stehen.

Song you should listen to: Oh, Naoko 
Editor: resi rakete

Mittwoch, 23. März 2011

Beatclub Bandcorner no.62 - Black Shampoo (a)

Drei Wiener mischen mit einem rohen Konglomerat aus Garage, Punk und Blues die Indie-Szene der österreichischen Hauptstadt auf. Jakob Brem (Gitarre/Vocals), Saskia Kasper (Bass) und Lukas Friesenbichler (Drums) sind Black Shampoo, 2008 gegründet und von GoTV zu einem der Top Newcomer für 2011 gewählt. Ihre erste EP, „Curious Kid“ veröffentlichten sie im November 2010. Der Sound ist roh, wild und chaotisch. Die Instrumentierung könnte man als ‚straight edge’ beschreiben. Die Songs sind einfach gestrickt, mitreißend und sind schon nach dem ersten Hörgang nicht mehr so leicht aus dem Kopf zu bekommen. Brem’s Stimme erinnert stark an einen jungen Iggy Pop, Einflüsse bestimmter Bands sind jedoch eher schwer festzumachen. In dem ständig changierenden Soundgewitter hört man hier und da mal einen Hendrix, mal die Rolling Stones, mal Proto-Punk a lá Stooges, dann aber auch wieder Aktuelleres wie den Indie-Rock der frühen Nullerjahre rund um die Libertines. 
Alles in allem kann man nicht viel über Black Shampoo sagen, außer dass sie verdammt gut sind und sich auf jeden Fall ein Reinhören und einen festen Platz in der österreichischen, wenn nicht sogar internationalen, Musikszene verdient haben.

Song you should listen to: Sick Shit
YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=slBMyetBEqc
MySpace: http://www.myspace.com/blackshampooband
Editor: Hieronymus

Dienstag, 15. März 2011

Beatclub Bandcorner no.61 - Allo Darlin' (uk)

Musik ist eine Wissenschaft, die uns Tag für Tag neue Rätsel aufgibt. Welchem Genre ist diese Band zuzuordnen? Verhält sich dieser Song dominant im Hinblick auf den Rest des Albums? Über welche Vorgänge ist der Sänger der geworden, der er jetzt ist und nicht mehr der, der er auf dem letzten Album war? Fragen, die leidenschaftliche Blogger auf der ganzen Welt beschäftigen. Auch uns. Wir gehen ein wenig spezifischer an die Sache heran und wagen uns an ein Experiment: Was passiert, wenn man Belle And Sebastian mit Kate Nash kreuzt? Ruhige, oft schon melancholische Lieder gemischt mit einer guten Ladung guter Laune. Ein Hang zum abgehackten Sprechgesang gepaart mit mehrstimmigen Harmonien. Das Gemisch nimmt langsam Form an und wir bekommen heraus: Allo Darlin‘. 
Zugegebenermaßen war die Einleitung ein wenig dramatisch, das Ergebnis dafür mehr als hörenswert. Das Quartett aus Australien und Großbritannien überzeugt mit einer relativ klassischen Besetzung aus Gitarre, Bass und Drums. Ein exotischer Blickfang ist die Ukulele, die von Sängerin Elisabeth Morris bedient wird. Ihre erste Single „Henry Rollins Don't Dance“ erhielt das Prädikat „bester Indiepop-Song der letzten Jahre“ vom englischen Guardian und auch das erste Album (self-titled) überzeugt. Am 4. März waren Allo Darlin‘ zusammen mit Those Dancing Days im Wiener Flex, wo dann auch der letzte Popzweifler davon überzeugt wurde, dass Plastikmusik und Pop nicht mehr als den Anfangsbuchstaben gemeinsam haben müssen.

Song you should listen to: My Heart Is A Drummer
Editor: resi rakete